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Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt ist ein massiver Angriff auf die physische und psychische Integrität betroffener Frauen, der kurz- und langfristige Folgen mit sich bringen kann. Sexuelle Übergriffe werden als Demütigung, Erniedrigung und Verletzung der Menschenwürde erlebt und können das Vertrauen zu sich selbst, zu anderen Menschen und zum eigenen Körper nachhaltig erschüttern.

Typische Reaktionen unmittelbar nach traumatischen Ereignissen werden als „Posttraumatische Belastungsreaktion“ bezeichnet.

Dazu gehören:

  • Angstzustände und erhöhte Schreckhaftigkeit (z.B. durch Geräusche, Bewegungen).
  • Alpträume und Schlafstörungen : wiederkehrende Träume mit Erinnerungen oder Erinnerungsbruchstücken des Traumas, Ein – u. Durchschlafstörungen.
  • Wiedererleben von Teilen des Traumas (Flashbacks): plötzliche, oft nur kurzdauernde Gefühle, das traumatische Ereignis noch einmal zu erleben. Manchmal wird dies durch Schlüsselreize wie Gegenstände, Geräusche, Gerüche ausgelöst und kann auch heftige Körperreaktionen wie Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Herzrasen… hervorrufen.
  • Gefühle von Entfremdung, Empfindungslosigkeit, Einsamkeit, Kontaktunsicherheit : Subjektiv wird die Kluft zwischen sich und anderen, die nicht dasselbe erlebt haben, als unüberwindlich empfunden. Dieses Gefühl kann auch vertrauten PartnerInnen und Familienmitgliedern gegenüber bestehen.
  • Beeinträchtigung der Wahrnehmung der Umwelt, des eigenen Körpers, der eigenen Gefühle: der Körper, die Umgebung werden als etwas Losgelöstes, Fremdes erlebt.
  • Konzentrations- und Leistungsstörungen, Nervosität.

Manchmal gibt es auch schleichende Veränderungen, die von Betroffenen gar nicht mehr mit dem Trauma in Verbindung gebracht werden, wie z.B. keine Lebensfreude mehr zu haben, keine Zukunftsperspektive zu sehen, vermindertes Interesse an Aktivitäten des täglichen Lebens, sich dauernd unwohl fühlen.

All diese Probleme können, müssen aber nicht auftreten. Manchmal sind sie nicht sehr intensiv und viele Menschen erholen sich nach einiger Zeit wieder von den schrecklichen Erlebnissen. Wichtig ist es, sich dabei Zeit zu lassen und sich nicht damit zu überfordern, rasch mit allem „fertig zu werden“.

Soziale Unterstützung (ein gutes und sicheres soziales Umfeld) kann ein guter Schutz gegen chronische Folgen von Traumatisierung sein.

Nicht alle Betroffenen erholen sich wieder. Bei einigen kommt es auch Wochen oder Monate nach einem traumatischen Ereignis noch zu Folgeerscheinungen.In diesem Fall spricht man von einer „posttraumatischen Belastungsstörung (PTB oder PTSD)„:

Sie ist gekennzeichnet durch:

  • Wiederholtes, ungewolltes Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen, Flashbacks oder Träumen.
  • Starke gefühlsmässige und körperliche Belastungssymptome bei allem, was an das Trauma erinnert.
  • Anhaltende Vermeidung von Reizen, Aktivitäten, Situationen, die an das Trauma erinnern könnten.
  • Gefühl von Betäubtsein und emotionale Stumpfheit, Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen.
  • Vegetative Übererregtheit mit übermässiger Schreckhaftigkeit und Schafstörungen, Reizbarkeit.
  • Amnesien : Unfähigkeit, wichtige Aspekte des Traumas zu erinnern.

( Siehe u.a. Dilling et al ICD-10, 1997 und American Psychiatric Association, DSM IV, 1994.)

Alle diese Symptome sind Reaktionen auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung, die außerhalb der menschlichen Erlebnisskala liegen und die die üblicherweise zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen eines Menschen überfordern.

Um zu verhindern, dass die Symptome dauerhaft werden, ist es wichtig, professionelle Unterstützung bei der Aufarbeitung des Erlebten in Anspruch zu nehmen.
In einer Traumatherapie wird der natürliche Verarbeitungsprozess des Menschen angeregt und unterstützt.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter dem Punkt „Erste Hilfe für Betroffene„.